Festnahme nach Vorbild der US-Soldaten im Irak – Folter hinter Gittern

Der vor einem Jahr in Gever (Yüksekova) festgenommene Ömer Aybar berichtete der Nachrichtenagentur DIHA nach seiner Freilassung von den Folterungen, denen er während seiner Haftzeit ausgesetzt war. So wurde Aybar tagelang, einen Sack über seinem Kopf gestülpt, in Haft gefoltert.

Am 24. September letzten Jahres wurde Ömer Aybar gemeinsam mit seinem Neffen von maskierten Spezialeinheiten der Polizei in Gever festgenommen. Die Festnahme erfolgte offensichtlich nach dem Vorbild der Aktion von US-Soldaten, die im Juli 2003 im Norden des Irak elf türkische Soldaten festnahmen und ihnen direkt bei der Festnahme Säcke über den Kopf stülpten. Auf dieselbe Weise wurden an jenem Tag auch Aybar und sein Neffe, dieses Mal von den türkischen Sicherheitskräften, festgenommen. „Sie durchsuchten an jenem Tag zeitgleich sowohl meine Wohnung im Dorf als auch die Wohnung meines Bruders im Stadtzentrum von Gever, wo ich gemeinsam mit meinem Neffen festgenommen wurde“, berichtet Aybar und fährt wie folgt fort: „In der Polizeistation wurde ich fünf Tage lang psychischer und physischer Folter ausgesetzt. Unsere gesamte Familie hatte ohnehin bereits mit den Gräueltaten des türkischen Staates Bekanntschaft gemacht. An jenem Tag wollten sie anscheinend an mir Rache für die Festnahmeaktion der türkischen Soldaten im Irak nehmen. Sie nahmen mich mit einem Sack über dem Kopf fest und wurde so tagelang verhört. Ich sollte zugeben, dass ich einen Polizisten ermordet hätte, was ich selbstverständlich nicht tat. Um Druck auf mich auszuüben, folterten sie meinen 17-jährigen Neffen vor meinen Augen. Er solle angeben, dass ich schuldig sei, weil ich einen Polizisten ermordet hätte. Sie versuchten ihn gar zu bestechen, boten ihm Geld an und sagten, sie würden dafür sorgen, dass er in luxuriösen Universitäten studieren könne. Nach einigen Tagen gaben sie es auf. Sie sagten, es sei klar, dass ich mit der Sache nichts zu tun habe. Wenn ich ihnen zwei Namen nennen würde, die tatsächlich hinter der Tat stecken, könnte ich als Held das Gefängnis verlassen. Wenn nicht, wäre ich der Mörder. Als später der Arzt vorbei kam, fragte der bloß, weshalb sie mich noch nicht hingerichtet hätten. Ein Polizist antwortete, dass er mich doch mit einer Spritze hinrichten soll. Fünf Tage später wurde ich in ein Krankenhaus eingeliefert. Doch der Arzt des Krankenhauses hatte anscheinen schon Drohungen erhalten, weshalb er mir attestierte, dass ich gesund sei.“

Nun läuft das Verfahren vor dem 6. Strafgerichtshof von Wan gegen Aybar. Ihm wird vorgeworfen, „Mitglied einer Terrororganisation“ zu sein und einen Mord begangen zu haben. Als Beweise werden lediglich (traditionelle kurdische) Kleidungsstücke angeführt, die Aybar auf verschiedenen Veranstaltungen angehabt haben soll und die Gedichte, die er auf diesen Veranstaltungen vorgetragen habe. Aybar gibt an, dass er vielleicht nach Veröffentlichung dieser Meldung erneut festgenommen werden könne. Doch das ist ihm egal. Er will der Öffentlichkeit mitteilen, was ihm hinter jenem Mauern angetan wurde.

Quelle: Özgür Gündem, 17.10.2013, ISKU