Hatip Dicle und weitere politische Gefangene frei

Jus­tiz­re­form er­mög­licht Frei­las­sung von kur­di­schen Po­li­ti­kern – Kam­pa­gne für schwer­kran­ke Ge­fan­ge­ne

30 kur­di­sche Po­li­ti­ker, dar­un­ter meh­re­re ehe­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter, sind am Diens­tag aus fast fünf­jäh­ri­ger Un­ter­su­chungs­haft ent­las­sen wor­den. Sie waren im Zuge einer Ver­haf­tungs­wel­le, der nach einem Kom­mu­nal­wahl­er­folg der in­zwi­schen ver­bo­te­nen De­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schafts­par­tei DTP seit Früh­jahr 2009 rund 8000 Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, Ak­ti­vis­ten, Jour­na­lis­ten und An­wäl­te zum Opfer fie­len, unter dem Vor­wurf der Mit­glied­schaft in der Ge­mein­schaft der Kom­mu­nen Kur­dis­tans (KCK) in­haf­tiert wor­den. Seit Herbst 2011 läuft in Diy­arba­k­ir das zen­tra­le KCK-​Ver­fah­ren gegen 150 An­ge­klag­te, von denen sich nun fast alle wie­der in Frei­heit be­fin­den. Be­reits am Sonn­tag hatte ein Ge­richt die Frei­las­sung des frü­he­ren Ab­ge­ord­ne­ten Hatip Dicle aus 4 ½ jäh­ri­ger Haft an­ge­ord­net. Dicle war be­reits in den 90er Jah­ren zu­sam­men mit Leyla Zana und wei­te­ren kur­di­schen Ab­ge­ord­ne­ten aus dem Par­la­ment ver­haf­tet und bis 2004 für zehn Jahre in­haf­tiert wor­den. Im Rah­men der KCK-​Ope­ra­tio­nen wurde er 2009 er­neut ver­haf­tet ge­wann bei den Par­la­ments­wah­len im Juni 2011 aus dem Ge­fäng­nis her­aus als un­ab­hän­gi­ger Kan­di­dat sei­nen Wahl­kreis in Diy­arba­k­ir mit 88.​000 Stim­men. Doch un­mit­tel­bar nach der Wahl wurde ihm sein Man­dat auf­grund einer kurz zuvor er­folg­ten Ver­ur­tei­lung wegen eines Pro­pa­gan­da­de­lik­tes ab­er­kannt und an die mit wei­tem Ab­stand zu­rück­lie­gen­de Kan­di­da­tin der re­gie­ren­den is­la­misch-​kon­ser­va­ti­ven AKP ver­ge­ben. Die jet­zi­ge Haft­ent­las­sung der po­li­ti­schen Ge­fan­ge­nen wurde mög­lich, nach­dem durch eine Ge­set­zes­re­form eine mehr als fünf­jäh­ri­ge Un­ter­su­chungs­haft­dau­er für un­zu­läs­sig er­klärt wurde. Wei­ter­hin be­fin­den sich al­ler­dings Tau­sen­de kur­di­sche und linke tür­ki­sche po­li­ti­sche Ge­fan­ge­ne in den Ge­fäng­nis­sen. Eine zen­tra­le For­de­rung von kur­di­scher Seite im der­zei­ti­gen Frie­dens­pro­zess zwi­schen der Re­gie­rung und der Ar­bei­ter­par­tei Kur­dis­tans ist die Haft­ent­las­sung von schwer kran­ken po­li­ti­schen Ge­fan­ge­nen. Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der links-​kur­di­schen De­mo­kra­ti­schen Par­tei der Völ­ker (HDP) im Par­la­ment, Idris Ba­lu­ken kri­ti­ser­te in die­sem Zu­sam­men­hang, daß die jüngs­te Jus­tiz­re­form die­sen Ge­fan­ge­nen keine Lö­sung bringt. „Es soll­te eine neue Re­ge­lung geben für die Be­hand­lung und Haft­ent­las­sung der 252 schwerst­kran­ken Ge­fan­ge­nen, ein­schließ­lich derer, die wahr­schein­lich ster­ben wer­den.“ Zudem muss die Ent­las­sung von Schwan­ge­ren und Frau­en, die kurz vor ihrer Ver­haf­tung ent­bun­den haben, si­cher­ge­stellt wer­den, for­dert der HDP-​Ab­ge­ord­ne­te.

04.07.2014, Kurdistan Soldaritätskomitee Berlin
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