Solidarität mit der Tageszeitung Özgür Gündem

Seit dem 3. Mai, dem internationalen Tag der Pressefreiheit, hat die Tageszeitung Özgür Gündem eine Kampagne zur Solidarität mit ihrer Zeitung und für die Pressefreiheit gestartet. Jeweils für einen Tag übernimmt ein/e JournalistIn oder Intellektuelle/r die verantwortliche Redaktion der Zeitung. Täglich wechseln die Aufgaben. Seit Beginn der Kampagne haben sich 49 Menschen an dieser Kampagne beteiligt. Gegen 39 von ihnen wurde ein Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft eingeleitet. 6 Ermittlungsverfahren wurden später eingestellt, 6 wurden ans Gericht weiter geleitet.

Die Vorsitzende der Menschenrechtsstiftung TİHV, Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı, der Schriftsteller Ahmet Nesin und Erol Önderoğlu, Vertreter der Organisation Journalisten ohne Grenzen (ROG) in der Türkei, die zuletzt an der Kampagne teilgenommen haben, sind gestern verhaftet worden. Als Grund werden Artikel, die an den Tagen, als sie die Verantwortung der Zeitung übernommen hatten, benannt.

Heute, am 50.Tag der Kampagne, hat sich auch der Journalist und Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet Can Dündar der Kampagne angeschlossen. Can Dündar erklärte: „Die Verhaftungen vom Vortag sind eine Botschaft. Sie sagt: Wenn ihr an der Seite der Wahrheit steht, werdet ihr verhaftet.“ Er rief zur Solidarität mit Özgür Gündem auf: „Auch ich habe die Botschaft erhalten. So bin ich denn gekommen, Solidarität zu zeigen.“

Federica Mogherini und Johannes Hahn äußerten sich im Namen der Europäischen Union und nahmen Stellung zu den Verhaftungen. Beide wiesen die Türkei erneut darauf hin, dass „jedes Land, das der EU beitreten will, auch die Menschenrechte garantieren müsse.“

Nach der Verhaftung von Şebnem Korur Fincancı, Erol Önderoğlu und Ahmet Nesin, haben sich jetzt etliche JournalistInnen solidarisiert. 107 JournalistInnen haben in einer Solidaritätsliste bekundet, dass auch sie bereit sind einen Tag lang verantwortliche/r RedakteurIn der Zeitung Özgür Gündem sein zu wollen. Die Liste wurde der Zeitung Özgür Gündem übergeben. In einer Pressekonferenz zuvor forderten sie die Freilassung der JournalistInnen. Zana Kaya von Özgür Gündem bedankte sich dann auch im Namen der Zeitung für so viel Solidarität. Er betonte: „Die Angriffe gegen Özgür Gündem richten sich nicht allein gegen Özgür Gündem. Sie richten sich gegen die ganze Gesellschaft und gegen alle JournalistInnen. Sie sind nur mit unserer Solidarität zu überwinden.“

ANF, 21.06.2016, ISKU