Welt-Korrespondent Deniz Yücel in Polizeigewahrsam

Nach Angaben der Tageszeitung „Die Welt“ befindet sich ihr Türkei-Korrespondent Deniz Yücel gegenwärtig in Istanbul in Polizeigewahrsam. Yücel, der im Zusammenhang mit Berichten über einen Hackerangriff auf den türkischen Energieminister gesucht wurde, hat sich am Dienstag auf dem Polizeipräsidium in Istanbul eingefunden, um sich den Fragen der Ermittler zu stellen.

Die Zeitung berichtet, dass Yücels Wohnung durchsucht wurde und erinnerte daran, dass er nach den geltenden Bestimmungen des Ausnahmezustands bis zu 14 Tagen in Polizeigewahrsam genommen werden kann, ohne Anhörung durch einen Richter.

Der 43-Jährige, der die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte über Emails vom privaten Emailaccount des Energieministers Berat Albayrak berichtet, zu denen sich das linke türkische Hacker-Kollektiv „RedHack“ Zugriff verschafft hatte.

Die Behörden beschuldigen Deniz Yücel, Mitglied einer terroristischen Organisation zu sein, des Datenmissbrauchs und der Terrorpropaganda.

“Unser Korrespondent Deniz Yücel leistet hervorragende Arbeit”, sagte der Chefredakteur der „Welt“, Ulf Poschardt. “Die türkische Regierung betont ständig, dass die Türkei ein Rechtsstaat ist. Daher vertrauen wir darauf, dass ein faires Verfahren seine Unschuld beweisen wird.“

Poschardt appellierte an die türkischen Behörden, den Korrespondenten nicht in Untersuchungshaft zu behalten. „Deniz Yücel hat seine Bereitschaft gezeigt, an einem rechtsstaatlichen Verfahren mitzuwirken. Das und die Würdigung der Pressefreiheit, wie sie in der türkischen Verfassung festgeschrieben ist, sollten in die Entscheidung einfließen.“

ANF, 17.02.2017, Demokratie hinter Gittern

#freedeniz

taz: Die Vorwürfe sind abstrus

In eigener Sache: Türkei-Korrespondent Deniz Yücel in Polizeigewahrsam

„Arrogant“, „Religionsfeind“, „PKK-Anwalt“: Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent der „Welt“, wird aus dem Regierungslager attackiert, weil er beim Besuch der Kanzlerin kritisch nachfragte. Weiterlesen in der Welt

Hetzkampagne der regierungsnahen Medien gegen Yücel: „Schaut mal, wer dieser PKK-Journalist ist, den Davutoğlu so souverän zurechtgewiesen hat“, schrieb Sabah und verwies auf ein Interview, dass Yücel im letzten Jahr mit einem PKK-Führer im Nordirak geführt hatte. Ein anderes Onlineportal nannte ihn einen Religionsfeind, was schon fast einer Drohung gleichkommt. Weiterlesen in der taz