Aktuelle Lage in türkischen Gefängnissen: Folter und Tod

Während im Gefängnis von Xarpêt (Elazığ/Nordkurdistan) Disziplinarstrafen ausgeweitet wird, kommen aus dem Gefängnis von Tarsus Meldungen über Misshandlungen. In Adana ist ein Gefangener gestorben, da ihm seine Medikamente verweigert wurden.
Unter dem Regime der AKP-MHP verbreiten sich in türkischen Gefängnissen faschistische Praxen. Jeden Tag kommen neue Nachrichten von Rechtsverletzungen hinzu.

Xarpêt

Im Hochsicherheitsgefängnis Nr. 2 von Elazığ wurden gegen über 114 Gefangene Disziplinarverfahren eingeleitet. Sie hatten sich am 16. Februar der Zählung in militärischer Formation verweigert und wurden daraufhin vom Gefängnispersonal geschlagen. Ihnen wird seit zwei Monaten jeglicher Besuch außer Anwaltsbesuchen verweigert.

Mersin

Mehmet Salih Emen berichtet nach einem Besuch bei seinem Neffen Rubar Emen, dass sich im T-Typ Gefängnis von Tarsus die Repression von Tag zu Tag verschärft. Gegen die Gefangenen liefen Disziplinarermittlungen. Wegen Hungerstreiks, an denen sie in anderen Gefängnissen teilgenommen hatten, wird monatelange Bunkerhaft verhängt. Emen berichtet, dass sie in militärischer Form zur Zählung antreten müssten. Wer sich weigere, werde geschlagen.

Emen gibt die Worte seines Neffen folgendermaßen wieder: „Obwohl in einer Zelle 17 Personen sind, bringen sie Essen für nur zehn. Da es zu wenig Essen gibt, haben wir Schwierigkeiten uns zu ernähren. Die Wächter, die in unsere Zellen kommen, zwingen uns barfuß stehend zum Appell anzutreten. Wenn wir etwas dagegen sagen, werden wir beleidigt, geschlagen und misshandelt. Sechs Personen aus unserer Nachbarzelle sind abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Deshalb sorgen wir uns um das Leben dieser Personen.“ Weiterhin erklärte Emen, sie würden vom Vollzugspersonal bedroht: „ Sie sagen: Akzeptiert die Straftaten, die euch in der Anklageschrift zur Last gelegt werden. Ihr kommt wieder und werdet uns wieder gegenübertreten.“ Mehmet Salih Emen hat sich an das Büro des Menschenrechtsvereins IHD in Adana gewandt.

Adana

Am 25. Januar ist der Epileptiker Ömer Yaba wegen einer Straftat verhaftet und ins E-Typ-Gefängnis von Adana gebracht worden. Am 7. Februar wurde er in das Gefängnis Kürkçüler von Adana verlegt und verstarb dort am 9. Februar. Yabas Eltern berichten, dass die Wächter für den Tod ihres Sohnes verantwortlich seien. Ihm sei seine Medizin abgenommen und nicht wieder ausgehändigt worden. Nach Angaben seiner Mutter hat Ömer Yaba seit fünf Jahren an Epilepsie gelitten und benötigte eine regelmäßige medikamentöse Behandlung.

ANF, 09.03.2018
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